asteya- Das Nicht-Stehlen

asteya – Das Nicht-Stehlen und die Frage „Was fehlt mir eigentlich jetzt gerade?“Das dritte yama, asteya, das Nicht-Stehlen oder auch Nicht-Begehren hört sich im ersten Moment sicherlich ziemlich einfach an. Ich? Stehlen? Mach ich nicht! …. Wirklich nicht? Na ok, den großen Bankraub planen wohl die wenigsten von uns – jedenfalls sind wir dann ganz gewiss nicht auf dem Yogaweg unterwegs 😊 Aber wie sieht es denn mit schwarzfahren, falschen Angaben in der Steuererklärung, jemandem den (Park)Platz wegnehmen, zu spät kommen oder dem eigenen Körper eine Pause gönnen aus? Wer sich ertappt fühlt, hebe die Hand. 💁‍♀️ Denkt bei der Antwort nochmal an das zweite yama, satya – die Wahrhaftigkeit 😉. Asteya geht weit über den Diebstahl von Geld oder Gegenständen hinaus. Wer kann sich noch an den ersten Lockdown erinnern, wo wir auf einmal alle tonnenweise Toilettenpapier, Seife, Mehl, Nudeln und Hefe aus den Läden geschleppt haben. Und warum? Welche Gedanken waren da im Spiel? Aus Angst an einem Mangel an diesen Sachen. Und – wer hat uns diese Angst vor dem Mangel weißgemacht? Mir hat jedenfalls niemand wörtlich gesagt, dass ich die nächsten Wochen nicht überleben werde, wenn ich keine 50 Rollen Toilettenpapier im Schrank habe – niemand – außer mein Geist. Der hat auf mich eingeredet: „Nimm lieber eine Packung mehr – sind ja nur noch 5 Packungen da und morgen kommt bestimmt kein neues Klopapier.“ Unser Geist hat mal wieder seine eigene Realität und wir folgen seinen produzierenden Gedanken oft ganz unbewusst. Wenn wir uns aber diesen Gedanken von Neid, Gier, Mangel, Sorgen, Ungerechtigkeit, Langeweile oder Unzufriedenheit bewusstwerden und uns dabei die Frage stellen: „Was fehlt mir eigentlich jetzt gerade?“ oder „Was verspreche ich mir davon, wenn ich dieses oder jenes bekomme, tue oder sage?“, dann kommt wahrscheinlich ein ganz anderes Bedürfnis oder Gefühl in uns zum Vorschein, wie z.B. Angst, Wut, Trauer, fehlende Anerkennung, das Bedürfnis nach Sicherheit oder der Wunsch nach Liebe usw. Es geht wieder darum, diese Gefühle und Bedürfnisse zu erkennen, ihre Wirkung auf uns achtsam wahrzunehmen und dadurch zukünftig bewusster und gerechter zu handeln.